Foto: © mbolina_stock.adobe.com

Wir leben in einer Zeit, in der uns Social Media, die Nachrichten, Werbung und die Medien ständig mit Bildern davon konfrontieren, wie andere Menschen leben oder wie die Gesellschaft meint, dass ein „perfektes“, gelungenes Leben aussieht. Das führt dazu, dass wir uns pausenlos…

vergleichen und unser eigenes Leben oftmals als mangelhaft empfinden – und das macht erwiesenermaßen unglücklich. Wie uns Yoga dabei helfen kann, vom Vergleichen ins Vertrauen zu finden, erfährst Du in diesem Blogbeitrag.

Don’t compare your chapter one…

Wenn ich mir meinen Instagram-Feed so anschaue, dann könnte man meinen, das Leben sei tatsächlich ein Ponyhof: Dünne Mädels führen in den schönsten Metropolen die neueste Mode vor oder posieren im Bikini an den Traumstränden dieser Welt, perfekt eingerichtete Häuser könnten direkt aus Schöner Wohnen stammen, Ehepaare und Familien erleben scheinbar jeden Tag das große Glück und auf den Tisch kommen sowieso nur bunte, aufwändig inszenierte Super-Food-Bowls, die fast zu schön zum Essen sind. Hach, muss das Leben wundervoll sein!

Klar, auf Social Media teilen wir alle meist nur die positiven, emotionalen und ästhetischen Momente aus unserem sonst auch immer wieder ziemlich schnöden Alltag. Obwohl uns das rational gesehen durchaus bewusst ist, hält uns diese Schein- und Glitzerwelt doch immer wieder dazu an, uns zu vergleichen. Und wenn wir – während wir durch unseren Facebook- oder Instagram-Feed scrollen – gerade nach einem langen Arbeitstag völlig gestresst mit einem dicken Pickel auf der Stirn an der Supermarktkasse stehen, um Fertigpizza zu kaufen, während es draußen Bindfäden regnet, dann fällt dieser Vergleich wahrscheinlich nicht gerade positiv aus.

Ein besonderer Aspekt, bei dem sich – wie ich immer wieder feststelle – gerade Frauen durch Vergleiche oft selbst unter Druck setzen, sind die Themen „Partnerschaft“, „Familienplanung“ und „Karriere“. Die Gesellschaft scheint nach wie vor zu erwarten, dass Frauen spätestens mit 30 verheiratet sind und eine Familie gründen, während sie gleichzeitig natürlich noch ihre Karriere vorantreiben und 4 Mal in der Woche zum Sport gehen, um für den Partner immer noch super attraktiv auszusehen. So fühlen sich nicht wenige Frauen wahnsinnig unter Druck gesetzt, wenn sie diese vermeintlichen Ziele mit Anfang oder Mitte 30 noch nicht erreicht haben oder für sich selbst ganz andere Ziele setzen und ganz andere Träume verwirklichen wollen. Im Vergleich mit gesellschaftlichen Idealen und perfekten Social Media Images empfinden wir uns dann irgendwie als nicht genug – als nicht weit, erfolgreich oder liebenswert genug.

… to someone else’s chapter 15.

Dabei ist das Vergleichen mit anderen und mit den utopischen Idealen der Social-Media- und Werbewelt ohnehin sinnlos, weil wir alle so unglaublich einzigartig sind. Wenn man zu Recht sagt, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen soll: Warum tun wir das dann mit uns und anderen? Wir haben bei unserer Entwicklung und Selbstentfaltung alle unser ganz eigenes Tempo, unsere eigenen Ziele und unsere eigene Geschichte. Auch das Leben (Universum/Schicksal/Gott) hat für uns alle unterschiedliche und individuelle Erfahrungen vorgesehen, die uns am Ende erst zu dem Mensch machen, der wir bestimmt sind, zu sein. Aber manchmal können wir den Sinn hinter unserem eigenen Weg einfach nicht (be)greifen – insbesondere dann nicht, wenn er gerade steinig und steil ist, während alle anderen scheinbar mühelos und zügig vorankommen und an uns vorbeiziehen. Meistens erschließt sich uns die Bedeutung hinter diesen schwierigen Lebensphasen, hinter den Umwegen und Pausen, erst aus der zeitlichen Distanz heraus: Dann können wir sehen, dass unser ganz persönlicher Weg einen perfekten Sinn ergibt, weil es eben jene Durststrecken waren, die uns persönlich am Meisten weitergebracht und bereichert haben.

Es gibt einen schönen Spruch des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard, der das wunderbar auf den Punkt gebracht hat:

Das Leben kann nur rückwärts verstanden, muss aber vorwärts gelebt werden.

Umso mehr kommt es darauf an, in Zeiten der Unsicherheit und des scheinbaren Stillstands – wenn wir uns im Vergleich mit anderen im „Rückstand“ empfinden – darauf zu vertrauen, dass sich unser Leben genau in dem Tempo und in die Richtung entwickelt, das für uns richtig und perfekt ist. Indem wir dem Leben/Universum/Gott vertrauen – ohne dabei in Lethargie oder Passivität zu verfallen – schaffen wir Gelassenheit im Warten und den Raum, die schönen Seiten unseres Lebens dankbar wahr- und anzunehmen. Ein wichtiger Punkt hierbei ist auch das Bewusstsein, dass sich die Dinge wahnsinnig schnell ändern können und sich alles ständig im Wandel befindet.

Yoga für mehr Vertrauen

Yoga kann uns wunderbar dabei unterstützen, wenn es darum geht, Vertrauen aufzubauen und ein Bewusstsein für den ewigen Wandel der Welt zu entwickeln. In erster Linie stärkt Yoga nämlich unser Selbstvertrauen: Durch eine regelmäßige Asana-Praxis lernst Du, Dir selbst und Deinem Körper zu vertrauen, indem Du die Signale Deines Körpers erspürst und achtest und sukzessive immer herausforderungsvollere Haltungen meisterst. Wenn Du außerdem eine spirituelle Praxis hast, etwa durch Meditation, wirst Du zudem feststellen, dass auch Deine Verbindung zu der Kraft, die in Dir ist, aber weit über Dich hinausgeht (Du kannst sie Leben, Universum oder Gott nennen) tiefer und vertrauensvoller wird. Last but not least lehrt uns eine achtsame Yogapraxis, dass alles im Leben stetigen Veränderungen unterworfen ist: Du beobachtest, wie die Ein- zur Ausatmung wird. Du lernst, eine anstrengende Asana in dem Bewusstsein auszuhalten, dass sie bald vorbei ist. Und Du spürst, dass jeder Tag ein neuer Tag ist auf Deiner Matte, an dem Du Dich ganz anders fühlst, als gestern oder letzte Woche noch. Und in Mitten dieses Wandels findest Du dann vielleicht einen Raum in Dir, an dem Du friedlich im Jetzt sein kannst, während Du darauf vertraust, dass Du immer und zu jeder Zeit am rechten Ort bist.

In diesem Sinne laden wir Dich ein, das Thema „Vertrauen“ mit in den November und mit auf die Matte zu nehmen und freuen uns darauf, gemeinsam mit Dir die Vollkommenheit unseres eigenen Lebenswegs mit all seinen Pausen, Umwegen und Richtungswechseln zu entdecken. Just trust the process!

Namaste, eure Laura Lademann

Beitrag teilen