Foto: Stephanie Wiesner

Schwangerschaftsyoga – auch jenseits der Matte

Dass Yoga in der Schwangerschaft förderlich für Körper und Geist sein kann, ist heute nicht nur unter praktizierenden Yogis schon beinahe Allgemeinwissen. In fast allen Studios werden ent-sprechende Kurse angeboten, und die Krankenkassen kommen nicht selten für die Gebühren auf. Aber hierum soll es in diesem Blog-Beitrag nicht gehen.

Vielmehr liegt meinen Überlegun-gen zu diesem Thema ein ganzheitlicheres Verständnis von Yoga zu Grunde, das Yoga nicht auf die Asana-Praxis beschränkt, sondern als Verbindung von Körper, Geist und Seele versteht. Und alle (werdenden) Mamis können sicherlich bestätigen, dass uns eine Schwangerschaft ganz neu und intensiv mit unserem eigenen Körper, aber auch mit unserem individuellen Mindset in Kontakt bringt – und das kann manchmal ganz schön herausfordernd sein! In diesem Beitrag erzähle ich Dir, was ich bislang durch meine Schwangerschaft (ich bin jetzt in der 23. Woche) ganz persönlich und in Bezug auf die Verbindung von Körper, Geist und Seele gelernt habe – abseits von meiner Yogamatte. Denn manchmal ist eben das Leben der beste Guru…

Annehmen und akzeptieren, was ist…

Fangen wir direkt mit dem Körper an, denn hier sind die Veränderungen am offensichtlichsten. Von Anfang an können wir spüren, wie sich der Körper durch die Schwangerschaft verändert: Die Brüste wachsen und spannen, der Bauch ebenso, es zieht in der Leiste und der Rücken tut weh. Wir sind schneller aus der Puste und leiden v.a. in den ersten Monaten unter einer blei-ernen Müdigkeit. Aufstehen vor 9 Uhr scheint zu einem Ding der Unmöglichkeit geworden zu sein und abends sind wir froh, wenn wir spätestens um 10 zurück ins Bett krabbeln können. Ehemals ganz einfache körperliche Aufgaben und Aktivitäten – wie Putzen, Spazierengehen oder die Lieblings-Yogaklasse – werden zu echten sportlichen Herausforderungen ähnlich dem Er-klimmen des Mount Everests.
Manchmal fühlt man sich da nicht mehr ganz zu Hause in seinem Körper, der sich so verändert, der hier und da ziept und zwackt, der einen einschränkt und der einem jetzt engere Grenzen setzt – gerade für eigentlich sehr aktive Menschen wie mich ist es nicht immer einfach, das zu akzeptieren. Aber weil uns werdenden Mamis schlicht nichts anderes übrig bleibt, lehrt uns die Schwangerschaft positiv betrachtet vor allem eines: Die Dinge, die wir nicht ändern können, so zu akzeptieren, wie sie nun einmal sind, unseren Körper anzunehmen wie er ist und uns auf seine veränderten Bedürfnisse neu einzustellen.
Das heißt vor allem, sich nicht mehr bis zum körperlichen Limit zu pushen, Rücksicht auf sich selbst und seinen Körper zu nehmen, der gerade Schwerstarbeit leistet und ein kleines Wunder „produziert“. Langsam machen, sich mehr Pausen gönnen. Das bedeutet aber auch, sich in die normalen Wehwehchen einer Schwangerschaft nicht zu sehr hineinzusteigern, sondern sie ge-lassen hinzunehmen in dem Bewusstsein, dass das alles nur eine Phase ist und die 9 Monate im Vergleich zum Rest des eigenen Lebens nur einen ganz kleinen Bruchteil ausmachen. Dass alles im Leben einem steten Wandel unterliegt und vergänglich ist, wusste schließlich schon Bud-dha…

… und seinen eigenen Dämonen begegnen

Aber nicht nur körperlich, sondern auch mental stellt eine Schwangerschaft uns werdende Ma-mis vor echte Herausforderungen. Oft passiert es, dass uns diese unglaublichen 9 Monate noch einmal mit den eigenen Dämonen, mit noch nicht ganz bewältigten Problemen aus der Vergan-genheit, konfrontieren. Bei mir war das v.a. der – in unserer westlichen Gesellschaft ohnehin sehr verbreitete – Glaubenssatz, dass mein Selbstwert unmittelbar von meiner Leistung und Produktivität abhängt.
Es fiel und fällt mir nicht immer leicht, mir einzugestehen, dass ich durch die Schwangerschaft einfach schneller müde und dadurch weniger produktiv bin als zuvor. Mir Pausen zu gönnen, auch wenn ich noch nicht mit allen Aufgaben des Tages fertig bin. Mich selbst nicht so unter Druck zu setzen. Oft fühle ich mich angesichts eingeschobener „Zwangspausen“ nicht nützlich oder wertvoll genug – als wäre der eigene Wert als Mensch vor allem davon abhängig, was und wie viel man leistet. In diesen Momenten bin ich meinem Partner unendlich dankbar, der mich liebevoll daran erinnert, dass es gerade meine wichtigste Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass es mir und somit unserem Baby gut geht – nicht mehr und nicht weniger.

Schwangerschaft als Chance persönlichen Wachstums

Und wenn ich einen Moment innehalte und einen Schritt zurücktrete, erkenne ich, was für ein Segen eine Schwangerschaft deshalb sein kann. Nicht nur, weil ich am Ende mein Baby in den Armen halten werde (das ist ja ohnehin das größte Geschenk überhaupt), sondern weil mich diese ganz besondere Zeit dazu auffordert, mich intensiver mit mir selbst auseinanderzusetzen: Sie übt mich in Achtsamkeit mir selbst und meinen Bedürfnissen gegenüber und somit in Selbst-liebe und -fürsorge. Sie lehrt mich Akzeptanz dessen, was ist. Sie motiviert mich dazu, mich noch einmal ganz bewusst mit meinem Mindset und mit negativen Glaubenssätzen auseinander-zusetzen und letztere aufzulösen. Letztendlich lässt mich meine Schwangerschaft noch mal tie-fer in Kontakt zu mir selbst kommen – und wenn das kein Yoga ist, dann weiß ich auch nicht.
Natürlich kann Yoga, verstanden als Asana-Praxis, diesen Prozess wunderbar unterstützen und uns werdenden Mamis dabei helfen, den eigenen, aber so neuen und anderen Körper achtsam wahrzunehmen und zu akzeptieren sowie eigene körperliche Grenzen neu auszuloten. Asana-Yoga hilft uns dabei, unserem schwangeren Selbst neu, offen und unvoreingenommen zu begeg-nen und mental loszulassen. Falls Du also gerade auch schwanger bist, laden wir Dich in diesem Sinne ganz herzlich zu unserer Pränatal-Yogastunde jeden Donnerstag um 17 Uhr bei der zau-berhaften Larissa ein. Mach die Schwangerschaft und Dein Baby zu Deinem Guru, Mama!

Namaste,

Eure Laura

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