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Wie die Ananas zum Yoga kam – Vor nicht allzu langer Zeit saß ich mit einer Tasse Tee auf der Couch eines beliebten Münchner Yogastudios und wartete darauf, dass sich die Türen zum Yogaraum öffnen würden. Während ich es mir also gemütlich machte und meinen Blick über das Studio Interieur und meine Mit-Yogis schweifen lies, blieb mein Blick schließlich am Kleiderständer der zur Studio gehörenden kleinen Boutique hängen. Ordentlich und nach Farbe sortiert hingen dort Yoga Pants, Tops, Bras, Bralettes und aller möglicher anderer Krimskrams mit dem man sich und seine Yogapraxis schmücken konnte. Da ich generell eine Person bin, die schöne Dinge, Kleidung und Krimskrams liebt war mein erster Impuls aufzustehen, um die ganze Sache mal von nahem betrachten zu können – vielleicht würde sich ja das ein oder andere Stück finden, dass die heimische Yoga-Kollektion noch ergänzen könnte. Da sich der Monat jedoch zum Ende neigte, ich gerade Flugtickets gebucht hatte und ich einen der begehrten wenigen Sitzplätze erwischt hatte revidierte ich diesen Gedanken schnell und lenkte meine Aufmerksamkeit zurück auf mich und meine Mit-Yogis. Und plötzlich stellte ich fest, dass in dem Vorraum des Yogastudios nicht nur viele wartende Yogis und Yoginis zu finden waren, sondern sich hier zwischen Ganesha Statuen und Mala Ketten eine komplette kleine Yoga Modenschau abspielte. Vom einfarbigen Einteiler bis zur knallbunten Yogahose mit Ananas-Print war jede Ausführung der yogischen Style-Palette zu entdecken. Desto länger ich also die Outfits und Zusammenstellungen meiner Mitwartenden betrachtete, desto mehr trat ein Gedanke in Vordergrund: um was genau geht es hier eigentlich?

Die Bedeutung des Yoga-Outfit

Macht mich ein schickes Yoga-Outfit automatisch zu einem besseren Yogi? Und: muss ich mir nun die Haare kämmen und ein zum Top passendes Make-Up auflegen, um beim nächsten Yogastudiobesuch nicht wie ein blasses zerrupftes Huhn aus der knallbunten top-gestylten Yoga Crowd herauszustechen?
Das mag nun vielleicht ein bisschen drastisch formuliert klingen, aber objektiv gesehen entsteht der Eindruck, dass sich die Yoga Welt vom alternativen Hippie Lifestyle hin zum hippen Lifestyle entwickelt und von einer Flut an Kristall Malas, knallbunten Yogamatten Ausführungen und (Ananas-) Hosen überrollt wird.
Das mag nicht unbedingt schlecht sein, denn so wie sich Menschen, Trends und die Welt weiter entwickeln ist es nur nachvollziehbar, dass sich auch jahrtausende alte Praktiken in gewisser Art und Weise weiter entwickeln und sich dem Zeitalter entsprechend anpassen müssen und auch sollen.

Die Yogapraxis und das Ego

Wichtig ist hierbei meiner Meinung nach nur, dass der Hintergrund, der Grundgedanke und der ganz persönliche Fokus der ganzen Geschichte nicht verloren geht. Ich glaube ziemlich sicher behaupten zu können, dass die wenigsten Yogis das erste Mal mit der Intention auf ihre Matte gegangen sind, endlich ihre neu gekaufte Sportleggings präsentieren zu können. Die Beweggründe für den Beginn einer Yogapraxis sind in 99% der Fälle anders und liegen im inneren eines jeden Yoga-Praktizierenden.
Wie es aber so ist, schleichen sich natürlich schnell Gewohnheiten und auch eine gute Portion Menschlichkeit und Ego in die eigene Yogapraxis ein. Sobald man also eine gewisse Yogaroutine entwickelt hat und sich der Körper an die verschiedenen Bewegungen gewöhnt hat, meldet sich der Kopf wieder und anstelle von ersten Gedanke wie ‚Wie soll ich jemals meine Füße berühren und dabei noch entspannt atmen können?‘ treten Gedanken wie ‚Was macht eigentlich meine Matten-Nachbarin gerade, warum kann sie das so gut und WO hat sie diese supercoole Yogahose her…?‘ auf. Das ist, so denke ich, ganz normal und menschlich.
Kritisch wird es nur dann, wenn wir beginnen uns zu vergleichen, unzufrieden zu werden, der Fokus verrutscht und/oder wir anfangen über uns oder andere zu urteilen. Wenn es in der eigenen Yoga Praxis plötzlich nicht mehr darum geht sich auf sich selbst und sein eigenes Wohlbefinden zu fokussieren sondern alles andere wichtiger wird, man viel zu viel Zeit damit verbringt sich vor der Yogastunde zu überlegen welches Outfit man für die heutige Praxis wählt, man sich in Asanas biegt ohne auf seine persönlichen Grenzen zu hören und nicht mehr für sich sondern für seine Außenwelt praktiziert – dann ist es an der Zeit einen Schritt zurück zu gehen und sich nochmal daran zu erinnern, warum man eigentlich das erste Mal das Yogastudio betreten hat.

Der Fokus im bunten Yoga-Dschungel

Natürlich ist es aber auch so, dass ein positives Setting und ein angenehmes Umfeld sich definitv positiv auf die eigene Yogapraxis auswirken. Und dazu gehört natürlich auch, sich auf seiner Matte, in seinem Outfit und mit seinen eigenen Möglichkeiten wohl zu fühlen. Und auch hier gilt: jeder Mensch ist anders. Manche fühlen sich in erdfarbene Schlabberhosen pudelwohl, manche in knallbunte Ananas Leggings, manche kommen mit der Nase zum Knie und manche eben nicht. Was uns aber alle verbindet ist der Grundgedanke des Yoga und der Wunsch, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Solange man sich dem also immer wieder bewusst wird und den eigentlichen Fokus im bunten Yoga-Dschungel nicht verliert, ist der Verschönerung der eigenen Yogapraxis meiner Meinung nach also keine Grenze gesetzt. Und: jeder findet nun mal was anderes schön: ob nun Ananas Leggings oder Strubbel-Haar.

In diesem Sinne,
Namaste, Larissa

Larissa, unterrichtet in Ronis Yogastudio Power Yoga und Yoga für Schwangere

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