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Disziplin, eine aus der Mode geratene Tugend

Der „Trend Selbstliebe“ ist mittlerweile nicht nur in der Yogawelt, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Ob mit einem heißen Schaumbad, beim Lieblingsessen oder mit einer Massage: Die Medien verbreiten dabei oft ein recht einseitiges Bild davon, was es bedeutet, sich selbst zu lieben und etwas Gutes zu tun. Der Fokus liegt hier meist auf dem Loslassen, dem Zulassen, auf der Entspannung. Bei all dem Stress im Alltag scheint das Konzept der Selbstliebe und -fürsorge einen Gegenpol zu setzen, der vom Prinzip des „Dürfens“, anstatt vom „Müssen“ lebt, ganz nach dem Motto „alles darf, nichts muss“. Disziplin scheint da manchmal jenseits des Leistungssports eine vollkommen aus der Mode geratene Tugend zu sein, so auch und vor allem in der Yogawelt. Doch ist es eben jene Beharrlichkeit, die unsere eigene Praxis vorantreibt und uns Wachsen lässt.

Die Bedeutung der Beharrlichkeit für die eigene Praxis

Dass „Übung bekanntlich den Meister macht“ ist kein Geheimnis und gilt für alle Fertigkeiten und Kenntnisse, die wir erlernen und uns neu aneignen wollen. Egal ob wir Laufen, eine fremde Sprache, ein Instrument, Kochen oder eine neue Sportart lernen wollen: Ohne das beharrliche Üben und Wiederholen über einen längeren Zeitraum hinweg werden wir uns diese neuen Fähigkeiten nicht aneignen. Das mag nicht nur für 7.-Klässler, die keine Lust darauf haben, Englisch-Vokalen zu lernen, manchmal lästig und unsexy sein, aber um diese Wahrheit kommen wir im Leben einfach nicht herum.

Zu Beharrlichkeit gehört eben auch Disziplin bzw. Selbstdisziplin: Wir müssen uns selbst immer wieder dazu motivieren, uns unseren neu zu lernenden Fähigkeiten aktiv zu widmen, auch wenn wir manchmal keine Lust darauf haben. In diesen Momenten müssen wir unseren vielzitierten „inneren Schweinehund“ überwinden, und wenn uns das gelungen ist, fühlen wir uns meist stolz und erfüllt. Vor allem die Früchte des Yoga und der Meditation können wir erst ernten, wenn wir uns diesen Übungen wiederholt und immer wieder widmen. Der Schwerpunkt liegt hier also auf dem wiederholten Tun – daher auch da Wort „Praxis“ (Yogapraxis, Meditationspraxis)!

Ein Blick ins Yoga-Sutra: Was sagt Pantanjali?

Die Bedeutung der beharrlichen Wiederholung für den eigenen Yogaweg erkannte schon Pantjanali, der „Erfinder des Yoga“. Im Yoga-Sutra 2.1 schrieb er bereits vor mehreren tausend Jahren, dass die Yoga-Praxis drei Qualitäten aufweisen müsse: „Disziplin, Selbststudium und Akzeptanz der eigenen Grenzen.“ Ich finde, dass gerade Disziplin zusammen mit der Fähigkeit, seine eigenen Grenzen zu achten uns im Yoga enorm weiterbringt und sich dies im Übrigen ganz hervorragend mit dem Prinzip der Selbstliebe verbinden lässt. Denn manchmal kann Selbstliebe nämlich auch Selbstdisziplin bedeuten – und das nicht nur beim abendlichen Zähneputzen oder Abschminken, sondern ganz besonders auch auf der Matte.

Mit Beharrlichkeit und Ausdauer zum Ziel

Denn wir alle wissen, dass „noch kein Meister vom Himmel gefallen ist“ und niemand in seiner ersten Yogastunde einen Handstand kann – vorher scheitern wir viele Male, und auch dieses Scheitern gehört dazu. Ebenso ist es uns auch erst mit der Zeit immer mehr möglich, beim Meditieren die Gedanken auszuschalten und uns für einen längeren Zeitraum auf unseren Atem zu konzentrieren. Wenn uns dies dann aber gelingt, weil wir es ausdauernd geübt haben – immer und immer wieder – ist das ein berauschendes und erhebendes Gefühl. Als würde man auf einer Wanderung nach einem langen Aufstieg oben auf dem Gipfel stehen und die wundervolle Aussicht ins Tal genießen.
In diesem Sinne laden wir Euch ganz herzlich zu uns auf die Matte ein, damit Ihr Eure Praxis hier mit anderen zusammen vertiefen und ausbauen könnt – Yogastunde um Yogastunde um Yogastunde. Wir freuen uns auf Euch!

Namasté
eure Laura

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