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Mental Hygiene – Auf zum inneren Frühjahrsputz

Alles Neu macht der Mai! Die Natur erwacht, es grünt und blüht überall. Für viele Mensche ist der Mai einer der schönsten Monate im Jahr. Gerne nehmen wir dies zum Anlass einen Frühjahrsputz zu starten. Wenn die Natur in neuem Glanz erstrahlt, bekommt man so richtig Lust auch im Haus und der Wohnung alles wieder in Frische erscheinen zu lassen.

Da wird geputzt, geschrubbt ausgemistet und aufgeräumt. Und auch das von uns Deutschen so heißgeliebte Auto wird vom Winterdreck befreit und auf Hochglanz poliert.

Doch wie sieht es mit unserer eigenen Mental Hygiene aus? Vor allem mit unserer geistigen Reinheit?

Was bedeutet mentale Reinigung?

Unter den sogenannten Niyamas von Pantanjali im Yoga Sutra, die den Umgang mit sich selbst meinen, findet sich der Aspekt Sauca, die Reinigung. Dieser betrifft sowohl die physische als auch die mentale Ebene. Mentale Reinheit bezieht sich auf das, was wir lesen, denken, reden etc. Denn alles, was wir durch die Sinne in unseren Geist hineinladen, bleibt dort gespeichert und formt unser Wesen.

Wie sieht es mit Deiner Gedankenhygiene aus? Wann hast Du in Deinem Geist das letzte Mal aufgeräumt? Bzw. wie gut achtest Du darauf was Du Dir jeden Tag selbst für geistigen Müll zufügst?

Gedankenhygiene ist genauso wichtig wie unsere Körperhygiene, doch vergessen wir sie leider allzu oft bzw. haben gar nicht gelernt sie anzuwenden. Und so belasten wir uns tagtäglich mit Gedankenmüll, wie „das macht doch keinen Sinn“, „das schaffe ich nie“, „das ist alles so furchtbar“, „ich will das nicht mehr“,  „ich muss noch so viel tun“….

Das Gedanken eine große Kraft und Macht haben und Berge versetzen können, wissen die meisten zwar mittlerweile, aber dennoch hapert es noch an der regelmäßigen und konsequenten Umsetzung, im Sinne von Bewusstheit und Bewusstsein.

Denken mit Bewusstsein

Das, was wir den lieben langen Tag so denken, ist uns oft gar nicht bewusst. Wir registrieren vielleicht, dass wir gerade schlechte Laune haben, aber woher die kommt, wissen wir nicht. Dass wir im Vorwege meistens negative Gedanken abgespult haben, ist uns nicht bewusst. Doch jeder Gedanke, den Du hast, löst ein Gefühl aus, und jedes Gefühl äußert sich oft auch körperlich. Wenn Du z.B. vor einer Präsentation denkst: „Gleich blamiere ich mich und alle finden was ich sage blöd“, löst dieser Gedanke Gefühle der Angst und Hilflosigkeit aus. Durch die damit verbundene Ausschüttung von Stresshormonen schlägt das Herz schneller und der Blutdruck steigt. Unter Stress fallen einem oft die einfachsten Dinge nicht mehr ein. Stresshormone können Gehirnareale lahmlegen, die für zielgerichtetes Denken notwendig sind.

Das betrifft vor allem den so genannten präfrontalen Cortex, also die Großhirnrinde vorne im Stirnlappen, die für Planung, Analyse und Entscheidungsfindung, sowie das Urteilsvermögen und den Zugriff auf Gedächtnisinhalte zuständig ist.  Wird dieser Bereich durch eine Schwemme an Stresshormonen blockiert, übernehmen tief gelegene, „archaische“ Hirnstrukturen die Kontrolle. Unser rationales Denken wird kurzfristig ausgeschaltet und das Abrufen und Erinnern von Gedächtnisinhalten wird behindert.

Dadurch kann es dann tatsächlich passieren, dass Du Teile Deiner Präsentation vergisst, ins Stottern gerätst und Dich somit in Deinen vorherigen Gedanken, Dich zu blamieren, bestätigt siehst.

Tipps zur Gedankenhygiene

Beobachte Deine Gedanken

Der erste Schritt ist es, bewusst wahrzunehmen, welchen „Gedankenmüll“ Du Tag für Tag in Dein System holst. Mache Dir bewusst, welche Gedanken Dir am Tag durch den Kopf gehen. Hängst Du öfter mal im Negativen. Wie denkst Du von Dir und Deinem Leben. Wie denkst Du über andere oder über Situationen? Welche Gedankenstrukturen herrschen bei Dir vor?
Meditation ist hierbei sehr unterstützend. Durch innere Achtsamkeit, durch Beobachten und Erforschen der eigenen inneren Bedingungen und Zustände erfährst Du die sonst verborgen liegenden Tendenzen bewusster, so daß Du ein immer tieferes Verstehen über Dich selbst gewinnst. So können im Lauf der Zeit belastende bzw. hinderliche Tendenzen und Gewohnheiten bewusst verändert werden.

Reinige Deine Gedanken

Im nächsten Schritt geht es darum, seine Gedanken zu reinigen, sprich sie auf etwas positives bzw. zielführendes zu lenken. Z.B. statt „ich schaff das nicht“ – „ich gebe mein Bestes“, statt „das ist doch alles blöd“ – „es läuft vielleicht nicht alles optimal aber es gibt auch vieles schönes“.

Wechsle die Perspektive

Anstatt Dich auf das zu fokussieren, was in Dir gerade negative Gedanken auslöst, lenke Deine Aufmerksamkeit bewusst auf etwas Schönes, bzw. Dir Kraft gebendes.

Und achte doch auch einmal darauf, wie Du Deine Gedanken sprachlich zum Ausdruck bringst.

Wie sprichst Du über Dich? Wie sprichst Du über andere? Welche Wörter benutzt Du in Deiner Ausdrucksweise. Wie oft bezeichnest Du vor anderen, Deine Kollegen oder Mitarbeiter als Versager, wie oft wird Dein Chef wenn Du vor anderen über ihn sprichst zum Idioten? Wie oft kommt das Wort „müssen“ oder „sollen“ in Deinem täglichen Wortschatz vor? Ersetze „müssen“ und „sollen“ z.B. lieber durch „wollen“, „dürfen“ oder „können“.
Statt „ich habe ein Problem“ sage lieber „ich stehe vor folgender Herausforderung“. Und verzichte auf den Konjunktiv.
Nicht „sollte“, „könnte“, „hätte“, „würde“, sondern einfach machen oder es ganz sein lassen.

Nutze die Zeit der Erneuerung im Mai, um auch mit Dir selbst wieder ins Reine zu kommen.

„Der Geist ist alles; was Du denkst, das wirst Du.“

Buddha

Jacqueline, unterrichtet in Ronis Yogastudio Power Yoga

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