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Power Yoga nach Bryan Kest, dem Begründer von Power Yoga.

Bryan Kest macht eines vorweg klar:

„Power Yoga ist KEIN System. Jeder kann demnach seine Art Yoga zu unterrichten Power Yoga nennen und jede Art Yoga Klasse unterrichten, die ihnen gefällt.“

Generell gibt einem die Bezeichnung Power Yoga jedoch einen Hinweis auf eine physisch eher anstrengende und oft auch schweißtreibende Klasse. Viel interessanter als der Name ist aber doch, warum wir hier in Ronis Yogastudio hauptsächlich Power Yoga nach Bryan Kest üben und welche vor allem die gesundheitlichen Vorteile dieses Yogastils sind.

 

Power Yoga als allumfassende Erfahrung

Im großen und ganzen kann man sagen, dass Power Yoga eine komplette und allumfassende Erfahrung für Geist und Körper ist. Das Ziel von Power Yoga ist Gesundheit und Wohlbefinden (im Gegensatz zu Gewichtsabnahme, Spitzenleistung und Ästhetik). Die Klassen sind genau darauf ausgelegt – immer unter dem Aspekt: man kann sich nicht um etwas kümmern, was man nicht berührt.

Mit diesem Ziel vor Augen üben wir kreative Sequenzen, immer bemüht den vollen Bewegungsradius des uns eigenen Körpers auszunutzen. Durch Berührung wird der Körper belebt und somit die Durchblutung angekurbelt. Eine gut funktionierende Durchblutung widerum ist eine der maßgeblichen Voraussetzungen für die Regeneration des Körpers. Aber wir würden nicht zum Yoga gehen, wenn wir nicht nach mehr suchen als eben dieser bloßen Berührung des Körpers. Dann könnten wir ja auch einfach ins Fitness Studio rennen oder zum Kickboxen gehen.

Platz für Achtsamkeit, Sanftheit und Beweglichkeit

Wir spüren und wünschen uns, dass es noch etwas anderes gibt, was zu diesem Ziel des Wohlbefindens beiträgt. Und hier kommt es, die ‚spezielle Zutat’ des Yoga, ganz leise und einfach: Ausschlaggebend ist, dass diese Berührung mit Sanftheit und Achtsamkeit erfolgt. Ganz nach dem universellen Gesetz: „Je grober man zu etwas ist, desto schneller geht es kaputt“. Eigentlich ganz einfach, aber in unserer Gesellschaft und gerade im Alltag tun wir uns schwer damit.

Wir haben nur wenig Zeit, wollen sichtbare Ergebnisse und am Besten gleichzeitig trotzdem noch was Gutes für unser ständig bis zum Rande der Belastbarkeit beanspruchtes und nie pausierendes Gehirn tun. Da scheint es wenig Platz zu geben für Achtsamkeit, Raum und geschweige denn Sanftheit. Schaffen wir es aber irgendwie- wahrscheinlich bedarf es einiger Übung- uns diesen Raum zu nehmen dann geht es auch schon los mit dem richtigen und wahren Yoga. Wenn wir versuchen sanft zu etwas zu sein, ganz besonders zu uns selbst, betreten wir schon die erste Stufe der Meditation, nämlich Fokus und Konzentration. Sonst ist diese Erfahrung kaum möglich. Wenn dann also nach und nach all das passiert und unser Geist immer ruhiger wird, dann beginnt die Veränderung. Genau in diesem Moment in dem wir uns und unserem Gehirn erlauben sanft zu sein und zur Ruhe zu kommen (was übrigens schon im ersten Sutra die komplette Definition von Yoga ist), eröffnet sich uns eine ganze neue Welt an Möglichkeiten. Und das ist das, was wir mit Power Yoga erreichen wollen und, wenn wir beständig üben, auch erreichen können.

Die Sprache der Empfindungen

Am Ende des Tages können wir uns doch nur richtig entspannen, wenn unser Geist ruhig ist und wir nicht dauernd damit beschäftigt sind, Gedanken zu wälzen. Genau diese Entspannung ist wohl das Beste und Gesündeste, was wir für uns selbst tun können, besonders dann, wenn man die schwerwiegenden und extrem schädlichen Effekte von Stress betrachtet. Erst in dem Moment, in dem wir in diesen ruhigen Zustand kommen, können wir hören, was uns unser Körper in seiner ihm eigenen Sprache vermittelt: die Sprache der Empfindungen.

Was passiert, wenn ich mich auf diese oder jene Art bewege? Wie fühlt es sich an, was macht es mit mir? Tut mir diese Bewegung gut oder empfinde ich sie als zu intensiv oder sogar schmerzhaft? Bekomme ich Beklemmungen, wenn ich mich in dieser Haltung befinde oder fühle ich mich womöglich sogar befreit? In dem Moment, in dem wir lernen auf dieses Feedback zu hören, können wir gezielte Entscheidungen treffen, die es uns erlauben, dass unsere Praxis zu einer heilsamen wird: weil wir genau das annehmen und akzeptieren, was wir fühlen. Leichter gesagt als getan.

Nicht nur im Alltag sondern auch im Yoga macht sich oftmals unser Ego bemerkbar. Und meist will es eben nicht auf unseren Körper hören, der ihm mitteilt: „Stopp, es reicht!’“ Nein, viel lieber schaut es sich im Yogaraum um und beobachtet ganz genau, was denn die anderen Yogis und Yoginis so treiben. Kommen sie womöglich tiefer in eine Haltung hinein? Ist ihre Balance eleganter als die eigene? Ist der Köper auf der Matte nebenan womöglich besser in Form als der eigene? Hier gilt es also unserer Weisheit den Vortritt vor unserer Eitelkeit zu geben.

„It’s simpel but it’s not easy“

Bryan Kest

Auf unsern Körper hören

Zusammenfassend bedeutet das Gesagte für uns, dass wir es hinbekommen müssen auf unseren Körper zu hören und ihn zu achten. Und zwar einzig und allein auf unseren eigenen Körper, nicht den des Nebenmannes oder der Nebenfrau auf der Matte. Und auch nicht auf den des Yogalehrers, der uns zeigt, was wir machen sollen. Alles, was der Yogalehrer uns geben kann, sind Vorschläge und Optionen. Was wir damit machen, welche Vorschläge wir annehmen und welche wir links liegen lassen, dafür sind allein wir selbst verantwortlich. Kann doch jeder Einzelne nur für sich selbst in seinen Körper hineinspüren und so feststellen, was ihm gut tut und was nicht.

Auch hier gilt, wie so oft im Leben: „Ohne Fleiß kein Preis“. Aber durch kontinuierliches Üben wird es uns immer leichter fallen, unser Ego außen vor zu lassen, achtsam mit unserem Körper umzugehen und vor allem auch auf dessen Reaktion zu achten und uns dementsprechend zu verhalten. Gelingt uns das, dann schenkt uns die Praxis die Möglichkeit, stressfördernde Aspekte unseres Lebens gar nicht erst an uns ran zu lassen und somit ein gesünderes Leben zu führen.

Power Yoga ist eine ziemlich einfache, aber doch mächtige Angelegenheit.

Two hands together,
Roni

 

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