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Das Herz öffnen scheint in der Yogawelt ein ähnlich allgegenwärtiges und fast Mantra-artig oft wiederholtes Credo zu sein wie let it go oder just breathe. Schon immer haben spirituelle Lehrer betont, wie wichtig es ist, das eigene Herz zu öffnen.

Was genau das aber eigentlich bedeuten soll, verschwindet hingegen oft hinter blumig-nebulösen Metaphern. Was hat es also auf sich mit der vielbeschworenen „Öffnung des Herzens“, von der im Yoga alle reden?

Wenn uns das Herz aufgeht…

Für mich sind Momente, in denen die Tür zu meinem Herzen bildlich gesprochen weit offensteht, von einem tiefen Gefühl der Verbundenheit gekennzeichnet – Verbundenheit mit mir selbst, mit meiner Umwelt und mit meinen Mitmenschen. Dabei können es ganz unterschiedliche Situationen sein, in denen ich dieses Gefühl der Einheit ganz automatisch empfinde: Ob bei einem Spaziergang im Wald, bei einem Sonnenuntergang am Meer, wenn ich mit meinem kleinen Hund kuschele, im Kreise meiner Familie und meiner Freunde und – last but not least – natürlich auch auf der Matter oder während der Meditation – wir alle kennen solche Momente, in denen uns sprichwörtlich „das Herz aufgeht“. In solchen Augenblicken fühlen wir ganz selbstverständlich und ohne großes Zutun vollkommen in Frieden, Harmonie und Verbindung mit uns selbst, unserer Umgebung und den Menschen in unserer Nähe. Wir vergessen die Zeit, sind ganz der Schönheit und Leichtigkeit des Augenblicks versunken und haben das Gefühl, uns gerade genau am rechten Platz auf dieser Welt zu befinden. „Open your heart“ – easy-peasy und kein Problem in solchen Momenten, oder?

… und wenn wir uns emotional verbarrikadieren

Dann gibt es aber Situationen – und auch die kennen wir alle aus eigener Erfahrung zu Genüge –, in denen an Herzöffnung scheinbar nicht zu denken ist. Vielleicht wurden wir von einem Menschen gekränkt, der uns nahesteht. Vielleicht fühlen wir uns auf der Arbeit von den Kollegen unverstanden oder vom Chef unfair behandelt. Vielleicht begegnen wir einer Person, die ganz anders ist als wir selbst und die wir auf den ersten Blick nicht leiden können. Vielleicht ist es auch nur einer dieser Tag, an dem einfach nur alles schiefläuft. In solchen Momenten wiederum fühlen wir uns auf uns allein gestellt, verletzlich und so gar nicht im Flow und in Verbindung mit allem: Wir gegen den Rest der Welt!

Dabei sind es genau die Momente, in denen wir unser kleines Herzchen instinktiv verbarrikadieren wollen, die uns die Chance zu spirituellem und persönlichem Wachstum geben. Es ist leicht, sein Herz zu öffnen, wenn man frisch verliebt mit seinem Lieblingsmenschen im Urlaub eine Flasche Rotwein am Strand trinkt. Wenn einem dieser Lieblingsmensch nach mehreren Jahren Beziehung während eines Streits verbal heftig verletzt und wir eher dazu geneigt sind, diese Verletzung heimzuzahlen als unsere eigene Kränkung zu zeigen, ist das hingegen verdammt schwer. In diesen Momenten liegt zugleich die wahre Herausforderung sowie der echte Gewinn der oft blumigen Aufforderung: „Open your heart“!

Aus der Trennung in die Verbindung: Gemeinsam Mensch sein!

Wenn es uns gelingt, in Situationen der Dissonanz und des Streits mit uns selbst oder anderen die Tür zu unserem Herzen nicht lautstark hinter uns ins Schloss zu werfen, sondern bewusst weit aufzureißen, stellen wir gerade dann die Verbindung zu uns und unserer Umwelt wieder her, wenn wir sie am meisten brauchen. Zwei Dinge haben sich dafür für mich als unschätzbar wichtig erwiesen: Einerseits braucht es den Mut, sich selbst und anderen gegenüber zur seiner eigenen Verletzlichkeit zu stehen und sie nicht als Schwäche zu betrachten. Denn verletzlich und fehlbar zu sein, bedeutet menschlich zu sein. Andererseits müssen wir auch unserem Gegenüber Fehler zugestehen und uns klar machen, dass unsere Mitmenschen zu jeder Zeit stets nach ihrer besten Option handeln. Indem wir bereit sind, uns in unser Gegenüber hineinzuversetzen, entwickeln wir Verständnis für dessen Handlung, anstatt diese (vorschnell) zu verurteilen. Gleichzeitig verlassen wir so die engen Grenzen unseres eigenen rechthaberischen Egos und wenden uns in Verbundenheit dem anderen zu. Beides kombiniert – also das Bekenntnis zu unserer eigenen Verletzlichkeit und das Verständnis für das Gegenüber – öffnet unser Herz, schafft Verbindung und erlaubt es uns, uns gemeinsam mit anderen in unserer Menschlichkeit zu erfahren.

Yoga für mehr Verbindung und ein offenes Herz!

Yoga ist ein wunderbares Tool, mit dem wir uns im Herzöffnen üben können, da es körperliche und geistig Verbindung herstellt. Durch den Fokus auf unseren Atem und die Kopplung von Atmung und Bewegung verbinden wir unseren Geist mit unserem Körper und somit gleichsam uns mit uns selbst. Und diese Verbindung zu uns selbst ist die Voraussetzung dafür, dass wir uns auch mit anderen Menschen und unserer Umwelt verbinden können. Zusätzlich sorgen Rückbeugen – wie etwa im Bogen, großen Rad oder der Kobra – dafür, dass sich unser Herzraum sowohl körperlich als auch energetisch öffnet. Vielleicht kennst Du auch das Gefühl, wenn Dir nach einer Klasse mit vielen Rückbeugen „ganz leicht ums Herz ist“ und Du am liebsten singend nach Hause hüpfen würdest? That’s what I’m talking about!

Wenn Du im Juli Dein Herz also noch ein Stückchen weiter öffnen und die Verbindung zu Dir selbst und anderen intensivieren möchtest, dann lass doch einfach mal ein paar zusätzliche Rückbeugen in Deine Praxis einfließen oder beobachte jeden Tag für 10 Minuten Deinen Atem. Nimm Dir in Deinem nächsten Streit den Satz „jeder handelt nach seiner besten Option“ zum Leitspruch und geh raus aus dem Ego rein ins Verständnis. Und last but not least möchte ich Dich natürlich ganz herzlich einladen zu vielen herzöffnenden Yogastunden bei uns im Studio!

Denn, wie schon Antoine de Saint-Exupéry in seinem Klassiker „Der kleine Prinz“ geschrieben hat:

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Laura, unterrichtet in Ronis Yogastudio Power Yoga und Yin Yoga

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